Wann musst du eigentlich aufstehen?

Das ist die häufigste Frage die mir gestellt wird seit wir auf Hof-Sonnenweide mit so vielen Tieren leben.

Die Antwort hat sich im Laufe der Jahre verändert. Eine Bäuerin muss früh aufstehen, das weiß doch jeder. Die Tiere müssen gefüttert werden denn sie haben die ganze Nacht nichts gefressen und haben Hunger. Deshalb hab ich mir am Beginn, als wir auf Hof-Sonnenweide gezogen sind und immer mehr und mehr Tiere zu uns kamen, den Wecker zwischen 5.00 und 5.30 Uhr gestellt und bin so, wie es sich gehört, aufgestanden. Schnell die Hunde im Haus füttern, Zähneputzen und dann raus zu den Tieren, egal ob es noch finster war oder nicht. Und in den ersten Jahren ist mir das auch überhaupt nicht schwer gefallen. 

 

Wenn ich damals gefragt wurde wann ich aufstehe habe ich wahrheitsgetreu geantwortet und war auch irgendwie stolz darauf. Und auf der anderen Seite habe ich mir selbst und anderen auch bestätigt was jeder ohnehin vermutet hat. Eine Bäuerin muss früh aufstehen. Das war immer so und ist einfach so.

 

Vor einiger Zeit habe ich dann begonnen diesen allgemein gültigen Glaubenssatz zu hinterfragen. Es fiel mir immer schwerer aufzustehen, ich war mies gelaunt in der Früh und hatte immer das Gefühl trotz dem frühen Aufstehen nicht mit meiner Zeit zurecht zu kommen und immer einen Schritt hinter meinen Pflichten nachzuhinken.

Eine Möglichkeiten wäre gewesen noch früher aufzustehen und noch schneller zu arbeiten. Keine sehr verlockende Variante, also hab ich anders rum überlegt. Die Frage die ich mir stellte war: „Was tut mir gut, und wie würde ich es machen wenn es ganz nach meinem Bedürfnissen gehen könnte.“

 

Aufstehen mit dem beginnenden Tageslicht

Zeit für meine Guten-Morgen-Rituale (siehe Video)

Laufen gehen

Duschen, Kaffee trinken

und dann in aller Ruhe die Tiere versorgen

 

Und wisst ihr was, es hat funktioniert, ganz einfach sogar. Kein Tier ist daran gestorben oder hat meines Wissens irgendeinen Mangel gelitten. Ich adaptiere immer wieder, je nach Jahreszeit und meinen Bedürfnissen, die sich auch immer wieder ändern aber im Großen und Ganzen nehme ich mir in der Früh soviel Zeit für mich wie ich brauche.

Praktisch sieht das z.B. auch so aus, das ich meine Coaching Termine nicht vor 10.00 Uhr und im Winter auch erst um 11.00 Uhr vereinbare. Dann hab ich vorher genügend Zeit für mich und die Tiere, was auch meinen Besuchern zu guten kommt weil ich entspannt und mit voller Aufmerksamkeit bei ihnen sein kann. Niemand hat sich jemals darüber beschwert.

 

Auch wenn ich Termine außerhalb des Hofes habe versuche ich sie so zu legen das sie mir keinen Streß bereiten. In den meisten Fällen funktioniert das ausgezeichnet und die wenigen Ausnahmen sind auch in Ordnung.

Es ist wirklich faszinierend wie oft wir uns von außen beeinflussen lassen ohne das wir es überhaupt bemerken oder scheinbar gegebene Tatsachen hinterfragen.

 

Mir geht’s super gut mit dieser Regelung und wie immer, wenn es mir gut tut strahle ich das auch auf mein Umfeld ab.

Es macht also durchaus manchmal Sinn die eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle zu reihen.

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