Ist alles was passiert gut so wie es ist?

Eigentlich dachte ich, dass ich Expertin darin bin „loszulassen“ und in einigen Belangen mag das ja sogar stimmen. Wenn es um berufliche Entscheidungen ging hab ich das meist recht gut durchgezogen, die Türe zugeschlagen und mich einem neuen Traum gewidmet.  Aber...

 

Was loslassen aber wirklich bedeutet, das erfahre ich jetzt immer mehr und mehr. Loslassen bedeutet eigentlich vertrauen. Tiefstes Vertrauen in das Leben, in sich selbst und daran, dass es etwas gibt, das es immer gut mit uns meint.

 

Umgekehrt bedeutet das, nach meinen Überlegungen, dass alles was geschieht, zu unserem Besten ist. Theoretisch habt ihr das sicher auch schon genauso oft gehört wie ich. Richtig begreifen oder glauben ist jedoch sehr schwer. Manchmal haben wir das Glück und erkennen im Nachhinein, was die, oft negative Erfahrung, uns Gutes gebracht hat.  In einer meiner Ausbildungen wurden wir für eine Stunde lang in die Stille geschickt mit der Frage „Was hat Dich in deinem Leben am meisten vorangebracht“

 

Ich saß so da, im wunderschönen Meran, unter einer Palme und überlegte, begann zu schreiben und starrte voller Überraschung auf meinen Zettel. Da standen nicht nur schöne Dinge, sondern im Gegenteil, ganz viel was überhaupt nicht schön war. Der Unfalltod einer Freundin, die Demütigung als ich betrogen wurde, die Zeit als ich gemobbt wurde und fast ein Jahr lang alleine da stand… Dinge, die ich eigentlich schon vergessen hatte. Alle diese Ereignisse waren entscheidende Wendepunkte in meinem Leben.

 

Als wir dann wieder in der Gruppe zusammenkamen und über die Ergebnisse sprachen, war ich total überrascht das es jedem von uns so ergangen war wie mir. Und da waren wirklich ganz tragische Dinge dabei. Selbstmord des besten Freundes, schwerer eigener Autounfall mit bleibenden körperlichen Schäden, Leben am Existenzminimum…und trotzdem, jeder der Teilnehmer hat dieses Erlebnis als entscheidenden positiven Schritt in seinem Leben empfunden.

 

Darüber habe ich mir in den letzten Monaten sehr viele Gedanken gemacht und folgende Überlegung angestellt. Wenn es mir bei einigen Ereignissen bewusst ist, dass sie eigentlich gut für mich waren, warum dann nicht bei allem was mir passiert? Weshalb fällt es uns dann so schwer zu glauben, dass alles einen Sinn hat?

 

Dadurch habe ich begonnen ernsthaft zu üben. Immer dann, wenn mich etwas anstinkt, es nicht so läuft wie ich will, etwas Ärgerliches passiert, versuche ich ganz bewusst zu denken „Es ist ok so wie es ist und es wird einen Sinn haben. Ich vertraue darauf, dass es gut für mich ist“ (so in der Art halt)

 

Ich bin nach wie vor dabei das zu leben, zu üben und es gelingt immer besser. Es funktioniert nicht von heute auf morgen, es gibt keine 3 Schritte und dann kann man das, es ist einfach wie bei fast allem – dranbleiben, üben, üben üben… In vielen kleinen Dingen des Alltags wie Parkplatz weggeschnappt, verschlafen, Essen angebrannt, Kopf angestoßen, ….es gibt täglich 100 Ereignisse an denen wir üben können loszulassen, zu vertrauen und sich zu sagen… es ist ok so wie es ist.

 

Das was ich dafür bekomme ist Freiheit, Vertrauen, Gelassenheit und die Fähigkeit Anzunehmen, immer mehr und mehr..

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