Ist das jetzt endlich mein Weg?

Momentan gehe ich unglaublich gerne laufen. Ich mag das um diese Jahreszeit fast noch lieber als im Sommer. Wenn es so richtig grauslich ist, feucht, gatschig, kalt. Keine Ahnung warum, ist halt so… Heute bin ich wieder so einer Baumallee im Wald entlang gelaufen und es war ein total schönes Bild, dass ihr euch sicher sofort im Kopf vorstellen könnt. So ein gerader Weg im Wald, rechts und links davon Bäume. Kurz habe ich bereut kein Handy dabeizuhaben,  weil es ein schönes Foto gewesen wäre. So ein Symbol dafür seinen Weg zu gehen.

 

Aber was ist das eigentlich für ein Blödsinn. Warum wird so oft das Bild des geraden Weges für den „eigenen Weg“ verwendet. Ich kenne niemanden bei dem das Leben ein gerader Weg ist. Auch ich ertappe mich manchmal dabei, wenn ich erzähle was ich schon alles gemacht habe, dass ich meinen Lebenslauf als logisch aufeinanderfolgende Schritte darstelle. Irgendwie denkt man offenbar, dass das erwartet wird. Wenn ich mir Interviews anhöre oder Biographien lesen, scheint es ebenfalls oft so als hätten erfolgreiche Menschen eine durchgängige gerade Lebenslinie. Kein Wunder das wir diesen Anspruch dann auch an uns selbst haben.

 

So oft treffe ich auf Menschen die ganz verzagt sind, weil sie nicht wissen was sie wollen. Ich kenn das, man hat das Gefühl der/die Einzige zu sein der/die nicht weiss was er/sie will. Man träumt von einem Tag, an dem plötzlich alles klar ist. Von einem Zeitpunkt an dem sich der lange gesuchte Weg plötzlich vor einem auftut, als gerade und klare Line.

Jetzt glaube ich eigentlich nicht mehr daran, dass es so etwas gibt. DEN einzigen, geraden Weg. Das Ziel auf das man zusteuert bzw. zu dem man geführt wird. Und je mehr ich mich losmache von dem Gedanken daran, wozu ich genau berufen bin, desto besser geht es mir.

 

Ich weiß nicht ganz genau was ich will, zumindest nicht als Lebensziel. Ich weiß, dass es mir momentan große Freude macht mit Menschen zusammenzutreffen die ich mit meiner Energie anstecken kann, ich weiß das ich gerne Menschen mit schrägen, ungewöhnlichen Lebensläufen treffe, ich weiß das ich gerne mit meinem Gogo-Mobil durch die Gegend fahre, ich weiß das ich gerne laufen gehe, ich weiß das ich gerne reite, ich weiß das ich gerne lese und manchmal auch schreibe….

 

Und all das kann und darf sich auch wieder ändern. Ich versuche dem nachzugehen was mir Freude macht und zu schauen was sich daraus entwickelt. Ich denke nicht mehr bei jeder Idee, bei jeder neuen Begeisterung, das es DAS jetzt ist.

 

Ich glaube das Leben ist ein kunterbuntes Durcheinander an Wegen und Möglichkeiten. Manchmal gibt’s auch keinen Weg und ich muss durchs Gebüsch und einen ganz neuen Pfad gehen. Und mir macht es Freude so viele Wege wie möglich auszuprobieren um zu schauen was da noch auf mich wartet. 

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