Das Ego und das Selbst

Heute morgen habe ich mir wieder eine Laufstrecke ausgesucht, etwas weiter weg vom Hof, in Forchtenstein. Ich liebe es bergauf zu laufen, mag die leichte Anstrengung, die abwechslungsreichen Wege und komme nach ca. 20 Minuten in einen Zustand der Stille, wie man ihn, denke ich, auch mit der „klassischen“  Meditation erreichen kann. Ich höre nur noch meine Schritte, als kleine Hilfe kann ich auch ein bisschen mitzählen 1, 2, 3, 4 ,5 , 6, 7, 8 und dann wieder von vorne. Dann komme ich automatisch in diesen leichten, angenehmen Trancezustand bei dem es in mir ruhig wird. Meistens, wenn es dann bergab geht, beginnen die Gedanken wieder zu fliesen. Aber durch die vorherige Stille auf eine ganz andere Art und Weise als zuvor.  Nicht hektisch und unruhig, sondern meist sehr klar, positiv und selbstverständlich. Dinge scheinen dann oft so einfach zu sein.

 

Meist drängt es mich dann auch stehen zu bleiben und wahrzunehmen. So wie heute. Ich sah einen Baumstumpf, von der Sonne beschienen und hab mich draufgestellt und wieder einmal für einige Sekunden oder Minuten, ich weiß es nicht, dieses wunderbare Gefühl gehabt ein Teil des Ganzen zu sein. Wow.. da fehlen mir einfach die Worte um das zu beschreiben.

 

Und dann drängt es mich auch meist sehr diese Gedanken aufzuschreiben, mitzuteilen, festzuhalten. Wahrscheinlich möchte ich damit den Moment auch länger hinauszögern, bis ich wieder in den Alltag eintrete und die Gedanken wieder anfangen eine unangenehme, drängende Dimension anzunehmen. Aber immer öfter gelingt es mir dann auch inne zu halten, die Stille in mir zu suchen und zu finden, und mir dieses schöne Gefühl, das alles gut ist, wieder in Erinnerung zu rufen. 

 

Das ist einfach Übungssache und egal welchen Weg man wählt um in die Stille zu gehen, ob es die Meditation im Sitzen oder im Liegen ist, eine geführte Meditation, eine Geh Mediation oder was auch immer, es geht letztendlich darum während des Tages, wenn man spürt das man aus seiner Mitte kommt, wieder dort hinein zu finden. 

Ich kann Euch nur immer wieder ans Herz legen damit zu beginnen. Ich habe viel ausprobiert und lande für mich selbst immer wieder beim Laufen, weil es für mich der schönste und einfachste Weg ist um zu mir selbst zu kommen. Für andere ist es ein Spaziergang, für viele die Musik oder das Tanzen und oft wechselt es auch. Nicht alles ist für jeden Lebensabschnitt immer die ideale Methode. „Glaubt mir nichts“ sagte Buddha und das ist wirklich so zu verstehen. Probiere selbst aus und finde deine Wege. Hab keine Angst vor der Stille, dem scheinbaren Nichts Tun und schon gar nicht davor was dann noch von dir übrig bleibt. Es bleibt das Selbst, das wahre Ich und das Ego beginnt sich aufzulösen oder in den Hintergrund zu treten.  Für mich ist das Ego der innere Schweinehund, der ständig etwas möchte und will, aber oft nicht in Verbindung mit meinem Selbst steht.  

 

Durch die Beschäftigung mit mir, meinen Gefühlen und Gedanken, lerne ich immer besser zu unterscheiden zwischen dem Ego und dem Selbst. Und je mehr ich darüber nachgedacht und vor allen in mir überprüft habe wo der Unterschied liegt, desto leichter ist es für mich zu trennen. Die beiden Religionen in denen ich mich ein bisschen auskenne sind der Buddhismus und das Christentum. Wahrscheinlich ist es aber auch im Islam und im Judentum dasselbe. 

 In beiden Weltreligionen gibt es den selben Kern der Wahrheit, beide unterscheiden zwischen dem Ego und dem Selbst, manchmal in verschiedenen Worten aber im Kern dieselbe Botschaft. Gerade lese ich ein Buch „Credo“ von Bruder David Steindl-Rast, dem Benediktiner Mönch der so viel über die „Dankbarkeit“ zu sagen hat. Auch er macht da einen sehr klaren Unterschied und ich glaube es ist gar nicht so wichtig das ich das jetzt korrekt und im Detail beschreibe. Ich glaube jeder von uns spürt den Unterschied. Das  schreiende, sich wichtig machende Ego tut uns meist (für mich persönlich kann ich behaupten immer) nicht gut. Die Befriedigung des Egos ist immer nur eine kurzfristige und es dauert nicht lange, bis es seine Begehren wieder auf ein neues Objekt richtet. Der Kreislauf beginnt von vorne. Die Bedürfnisse meines Selbst hingegen sind etwas ganz anderes. Sie sind paradoxer Weise selbstlos, erwarten nichts und dienen keinem Zweck. Sie gehen nicht auf Kosten anderer Individuen, ganz im Gegenteil, sie nähren sich davon ein Teil des Ganzen zu sein und auch so zu verhalten.

 

Immer wieder überprüfen, hineinhorchen mit meinem Ich in Kontakt treten, dass ist es was mir gut tut. Oft  sind die Erkenntnisse und Konsequenzen die ich daraus ziehe schmerzhaft, spüren sich aber letztendlich gut und richtig an. Das ist für mich Lebensqualität die ich nicht im Außen finde, sondern in mir. 

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