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Neue, alte, andere Beziehung

Seit September habe ich begonnen die Beziehung zwischen meinem Haflinger Liberty und mir wieder zu vertiefen. In den letzten Jahren war es mir nicht so wichtig bzw. hatte ich irgendwie das Gefühl das wir uns auseinandergelebt hatten. Wenn das jetzt so klingt, als wäre es eine partnerschaftliche Menschenbeziehung, dann ist das auch genau so und es fühlt sich auch kaum unterschiedlich an. Als hätte man mit seinem besten Freund oder Freundin einfach weniger Kontakt weil man beispielsweise an verschiedenen Orten lebt, weniger gemeinsame Interessen hat als früher oder welche Gründe es dafür noch geben könnte. Dabei meine ich das keineswegs negativ, es gibt einfach für alles die richtige Zeit und machen Beziehungen werden enger, manche weiter und manchmal nähert man sich auch wieder an.

 

Ich wusste immer das es Liberty sehr gut geht und das er den intensiven Kontakt zu mir nicht unbedingt braucht. Er ist ein sehr selbstbewusstes und erdiges Pferd mit einem klaren Kopf und eigenem Denken. Liberty ist der Führer der Pferde- und Eselherde und lebt weitgehend selbstbestimmt auf ca. einem Hektar Grund. Er freut sich an seinem ruhigen und beschaulichen Leben in dem es nicht viel zu tun gibt.  

 

Rokita, eine Pinto Stute und seine wunderschöne Gefährtin steht im Rang unter Liberty und bei ihr hatte ich zuerst das Gefühl das sie gerne eine Veränderung hätte. Ganz klar habe ich plötzlich „gewußt“ das sie einen Menschen sucht mit dem sie eine stärkere Beziehung eingehen kann als sie es momentan mit Liberty, den Eseln oder mit mir hat.  

 

Ich streckte meine Antennen aus und blad trat Sarah in unsere Leben. Mindestens einmal pro Woche ist sie seitdem bei Rokita und verbringt Zeit mir ihr.  Gemeinsam Spazierengehen, Spielen am Platz, Spaß und Freude aneinander und miteinander haben, darum geht es in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd.  

 

Und ganz nebenbei, als wunderbarer Nebeneffekt den ich mir insgeheim auch gewünscht habe, veränderte sich auch meine Beziehung zu Liberty wieder. Wir kamen und kommen uns wieder näher auf sehr respektvolle Art und Weise. Und das ist wunderbar. Es gibt kaum etwas Schöneres für mich als mit Liberty durch den Wald zu streifen. Gemeinsam nebeneinander gehen, Freude an den vielen Eindrücken zu haben und auch an unserer Beziehung die immer vertrauensvoller wird. Gegenseitiger Respekt ist dabei ganz wichtig. Liberty ist als ranghohes Pferd sehr selbstbewusst und selbstbestimmt. Mein Ansinnen ist es deshalb nicht ihm zu beweisen das ich die bessere Führungskraft bin, sondern das ein  partnerschaftlich und friedvoll Umgang miteinander das Beste für uns beide ist. Und seit das für mich so klar ist, kann ich Liberty in seiner ganzen Schönheit und Klugheit anerkennen, sehe vieles, was ich früher an ihm negativ interpretiert habe jetzt mit ganz anderen Augen und bin sogar sehr stolz darauf das er diese Eigenschaften hat. Seine permanente Achtsamkeit, sein Hinterfragen meiner Entscheidungen, sein Ausdruck dafür das er keine Führung braucht, finde ich einfach nur großartig, auch wenn es mir als Mensch ebenfalls sehr viel abverlangt und ich im Umgang mit ihm genauso Achtsam und Aufmerksam sein muss wie er, damit er mich als gleichgestellte Partnerin akzeptiert.

 

Und von so einem wunderbaren Spaziergang aus dem Wald komme ich gerade zurück. Unser Selfi präsentiert mich optisch nicht gerade von meiner Schkoladenseite aber mit einem glückseeligen Grinsen das bis zu den Ohren reicht. Und genau dieses Glück möchte ich mit Euch teilen. (Liberty hatte keine Lust darauf zu warten bis ich mit mit meinem Aussehen auf dem Selfi endlich zufrieden bin und recht hatte er damit)

 

Und beim nochmaligen Durchlesen dieses Textes fällt mir auf, das es eigentlich vollkommen egal ist ob es um eine Mensch – Tier oder um eine Mensch – Mensch Beziehung geht. Es geht immer um Akzeptanz, Respekt, Vertrauen und Wertschätzung.

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