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Wasserfasten

Schon voriges Jahr im Februar habe ich mich dazu entschlossen drei Tage lang nichts zu essen und nur Wasser und Kräutertees zu trinken. Grundsätzlich war ich mir sicher damit kein Problem zu haben weil ich  zuvor schon oft einen Fasttag eingelegt hatte und dadurch dachte, dass drei Tage auch kein Thema sein werden. Eine Bekannte von mir, die  Ernährungsexpertin Kathi Hönig, mit der ich auch einen Podcast aufgenommen habe, schwört auf Fasten und erklärte mir das es  für ganz viele gesundheitliche Aspekte ideal sei. Ich möchte hier gar nicht alles aufzählen, da gibt es kompetentere Menschen als mich und man kann im Netz einiges über das Thema fasten finden. Mich hat es auf jeden Fall überzeugt und ich hatte Lust es auch mal mit den drei Tagen zu versuchen.

 

Ich wählte bewusst eine Woche in der Andi in Deutschland war damit er eventuellen Hunger-Grant-Attacken nicht ausgesetzt wird. Somit war ich alleine am Hof und konnte im schlimmsten Fall nur mir selbst und meinen Tieren auf die Nerven gehen. Besonders gut hatte ich mich im Vorfeld nicht informiert, für mich war die Regel klar: Nichts essen, Tee und Wasser erlaubt.

 

Erster Tag war locker, ich ging in der Früh laufen, versorgte stundenlang in der Kälte die Tiere, schleppte Heu hin und her… das tat ich ja an meinen normalen Fasttagen auch. Am Zweiten Tag am Nachmittag,  füllte ich gerade die Heusäcke als mir plötzlich schwindelig wurde. „Na geh“ dachte ich, „kann doch net sein“. Aufgeben wollte ich auf keinen Fall. Trotzdem war der Schwindel da und wurde etwas schlimmer. Damit hatte ich nicht gerechnet weil mein Kreislauf normalerweise wie auch sonst mein Körper supergesund sind und fast noch nie Schwäche gezeigt haben.

 

Also rief ich Kathi an und fragte um Rat. Zuerst einmal erklärte sie mir das leichte Bewegung während des Wasserfastens ideal sei. Spaziergänge, Yoga und sowas in der Art und nicht 100 Tiere und einen Hof versorgen. Trotzdem ermutigte sie mich durchzuhalten. Kopfschmerzen sein normal, erklärte sie mir weil der Körper jetzt Zeit habe all das Gift los zu werden was sich so angelagert habe. Klang einleuchtend für mich und das dadurch auch der Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wird erschien mir auch logisch. Aber was tun, ich hatte noch 1,5 Tage vor mir. Kathis Rat war total einfach. Press eine Zitrone in ein großes Glas Wasser und trink das, damit ist der Körper schnell mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt. Zum Glück hatte ich in meinem kaum gefüllten Kühlschrank noch eine halbe Zitrone herumliegen und so konnte ich den Rat gleich in die Tat umsetzen. Ich tat noch ein bisschen Salz ins Wasser, trank ½ Liter davon und spürte wie mir die Energie innerhalb von Minuten förmlich in die Adern schoss. Ich war verblüfft, damit hatte ich nicht gerechnet. Fröhlich ging ich wieder in die Scheune, schulterte meine Heusäcke und trug sie zu den Pferden.

 

Mit dieser Methode war der Rest der Zeit ein Kinderspiel. Ich hatte im Zitronenwasser meinen idealen Energy-Drink gefunden.

 

Da Andi gerade wieder für eine Woche in Deutschland ist, habe ich gestern beschlossen mir wieder drei Fasttage zu gönnen. Diesmal bin ich gut versorgt mit Zitronen und habe den ersten Tag fast hinter mir. 

 

Wie immer ist Hunger kein Thema, der kommt bei mir gar nicht auf solange ich absolut nichts esse. Aber ich bin immer wieder verblüfft wie stark mein Hirn ständig irgendeine Belohnung einfordert. Schon alleine dafür zahlt es sich mal aus einige Tage nur von Wasser und Tee zu leben weil es eine interessante Erfahrung ist. Im normalen Alltag merkt man oft gar nicht wie sehr wir uns ständig „etwas gönnen“. Einen Kaffee, ein gutes Mittagessen, einen kleinen Snack, einen Apfel, einen guten Fruchtsaft, ein Glas Wein am Abend,…. Je nachdem wie man veranlagt ist. Es ist spannend zu sehen wie ich mich ständig nach keinen Freuden sehne und sie mir durch äußere Dinge verschaffe. Und schon nach dem ersten Tag merke ich wie sich mein Geist wieder Belohnungen sucht, jetzt aber andere. Die warme Badewanne am Abend, ein gute Buch auf der Coach, eine bestimmte Sorte Kräutertee… Ein schöner Effekt und ich bin neugierig wie es in den nächsten beiden Tagen weitergeht. Ob man sich, wenn man nicht mehr von den äußerlichen Belohnungen abhängig ist, automatisch mehr auf die inneren Freuden konzentriert und wieder vermehrt das wahrnimmt was wirklich wichtig ist? Die vielen wunderbaren Kleinigkeiten die uns umgeben und so große Freude machen können. So wie wir es als Kinder wahrgenommen haben? 

 

Ich bin schon gespannt auf die weiteren zwei Tage die ich unbedingt durchziehen möchte. Und was sind schon drei Tage gemessen an meinem ganzen Leben…. 

 

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