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Träume anpassen

Vor vielen Jahren habe ich einmal einen Horsmanship Kurs in Mauerbach gemacht. Damals hatte ich noch gar kein eigenes Pferd sondern war Mitreiterin auf einer lieben älteren Haflingerstute. Es war mein erster Pferdekurs und er hatte enorme Auswirkungen auf mein weiteres Leben. Ich lernt Edith kennen, die damals um die 45 Jahre alt war, also so alt wie ich jetzt bin. Sie erzählte von ihrem Wanderritt von Österreich nach Frankreich mit einer Gruppe von Reitern über drei Monate den Jakobsweg entlang. Da manifestierte sich in mir der Traum etwas Ähnliches  auch einmal zu machen. Mehrere Monate nonstop mit einem Pferd unterwegs sein, wow unbedingt wollte ich das auch. Einige Zeit später kaufte ich mir dann Liberty, meinen Haflinger was auch eine Auswirkung des Kurses war. Den Kontakt zu Edith hab ich in der Zeit nie ganz verloren und der Traum vom Wanderritt spukt bis heute in meinem Kopf herum. Ich erzählte manchmal von diesem Traum, immer mit dem Zusatz: „Irgendwann werde ich das ganz bestimmt machen, ich werde wissen wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist,“ und das habe ich auch genauso gemeint. 

 

Im Jänner dieses Jahres fand ein DreamA Treffen statt. Das ist diese lose Gruppe von der ich schon ein paar Mal geschrieben habe. Menschen die ihre Träume verwirklichen und leben und der Welt dabei etwas zurückgeben möchte. Wir machten am Beginn eine Runde  „Speeddreaming“. Dazu stellten wir uns in einer Reihe, jeweils paarweise gegenüber auf und hatten 1,5 Minuten Zeit um dem Gegenüber unsere Träume zu erzählen. Nach Ablauf der Zeit wechselten wir den Partner und erzählten dem neuen Gegenüber wieder unsere Träume in derselben Zeit. Spannendes Spiel, kann ich Euch nur raten einmal in einer Gruppe zu machen…Ich erzählte zu Beginn eher abstrakt, davon mein volles Potential ausleben zu wollen, viel bewegen wollen, usw. aber je häufiger der Partnerwechsel desto konkreter wurden die Träume. Und plötzlich purzelte es aus meinem Mund: „Ich will heuer mit meinem Pferd 2 Wochen alleine und mit Zelt und Schlafsack auf Wanderschaft gehen.“ Ich war überrascht von dem was ich da gesagt hatte, fühlte den Worten nach, die da aus meinem Mund gepurzelt sind und spürte eine heftige Woge von Emotionen die mir fast die Tränen in die Augen trieben. Ich hatte keine Ahnung wie tief dieser Wunsch offenbar in mir gesessen hatte. Einer der Mentoren fragte nach „Und, ist da noch etwas was sein soll?“ Ich dachte kurz nach und wieder kamen da Worte aus meinem Mund ohne den Filter meines Gehirns „Ja, eigentlich möchte ich das nicht auf 14 Tage einschränken, ich möchte ziel- und planlos, ohne zeitliche Einschränkung mit meinem Pferd durch den Wald streifen, da gehört ein Teil von mir hin.“ Dann musste ich abbrechen, so sehr überwältigten mich die Gefühle von denen ich keine Ahnung hatte das sie da waren. 

 

Ich fuhr recht bald nach Hause und spürte dem Traum, der sich da so massiv an die Oberfläche gedrängt hatte nach. Es war ein schönes und sehr tiefes Gefühl, trotzdem beschloss ich nicht mit aller Macht und Energie daran zu arbeiten sondern es geschehen zu lassen. Es würde schon das passieren was passieren soll in dem Tempo in dem es richtig ist. Wichtig war es einmal ausgesprochen zu haben, auch mit einer zeitlichen Komponente, also im Jahr 2019. Dann loslassen und abwarten. Ich begann mich Liberty, meinem Haflinger, der mit unserer Stute Rokita und 4 Eseln zusammen am Hof sehr selbstbestimmt lebt, wieder anzunähern. In den letzten Jahren hatte ich wenig mit ihm zusammen unternommen weil er mir deutlich signalisierte das er so wie er derzeit, als Chef seiner kleiner Herde lebt, rundherum zufrieden ist und mich nicht unbedingt braucht.

 

Zusammen mit Julia, die ich vor zwei Jahren über Facebook kennenlernte und die uns seitdem  am Hof hilft, begann ich wieder mehr mit Liberty und Rokita zu unternehmen. Julia hat einen ähnlichen, sehr partnerschaftlichen Zugang zu Tieren wie ich und wir  begannen wir mit den Pferden spazieren zu gehen und sie zeigte mir einige Übungen die ich mit Liberty machen konnte um unsere Beziehung wieder zu stärken. Kleines Details am Rande… bei einem dieser Spaziergänge kamen Julia und ich dahinter das wir beide damals den oben beschriebenen Kurs in Mauerbach gemacht hatten. Sie war damals 12 Jahre alt, ich 33.  Wir können uns nicht mehr wirklich aneinander erinnern, aber an die Pferde mit denen wir dort waren. Spucky, oder? Soweit zu.. man trifft sich immer 2 Mal im Leben. Was für ein Zufall. 

 

Das Zusammensein mit Liberty gestaltete sich wechselhaft. Mal ist es schön und unbeschwert, öfter aber fühlte es sich wie eher unangenehme Arbeit an. Ein bisschen schwer, nicht wirklich locker und ich bin mir nie sicher ob er wirklich mit mir meinen Traum verwirklichen will. Wenn ich mit ihm alleine unterwegs bin bleibt er immer wieder stehen, rührt sich nicht vom Fleck und signalisiert mir mit passiven Widerstand das er jetzt einfach keine Lust hat weg von seiner Herde zu gehen. Natürlich ist es möglich ihn mit viel Übung und Geduld irgendwann einmal zu motivieren aber irgendwie fühlt es sich nicht so richtig stimmig an wie ich mir das vorstelle. Es fehlt die Leichtigkeit.

 

Und dann rückten vor einer Woche die Eseln in mein Bewusstsein. Ich schnappte mir Martin und zog mit ihm los zu einem kleinen Spaziergang.  Und plötzlich war alles leicht und einfach. Ich nahm Lucky, unseren zweiten Eselburschen dazu und alles war fein. Esel sind keine Fluchttiere und das ist der wesentlichste Unterschied zu Pferden. Das was man als stur bezeichnet ist lediglich ein vorsichtiges Abwägen der Situation und kein instinktmäßiges davonlaufen wie es Pferde tun wenn sie Gefahr spüren oder sehen.

Jetzt gehe ich mit meinen beiden Eselburschen spazieren und es macht riesige Freude, und es fühlt sich gut an, genauso wie es für mich sein soll und wie ich es mir vorgestellt hatt. Ich habe auch den Eindruck das es den Eseln Spaß macht und das ist so wichtig für mich. Ich möchte Wandergefährten die mich gerne begleiten und auch Freude daran haben durch die Landschaft zu streifen. 

 

So wie es aussieht hat sich mein Traum leicht verändert und ich finde das wieder einmal sehr spannend und bestätigt wieder das was sich jetzt schon so viele Male bewährt hat. Traum denken und wünschen und dann loslassen und schauen was daraus wird. Manchmal wird aus dem Pferd ein Esel. 

 

Ich bin neugierig wie es weitergeht und halte Euch auf dem Laufenden 

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