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Darf ich vorstellen: Igor

Jetzt ist schon etwas Zeit vergangen seit dem letzten Eintrag und sehr viel hat sich in der Zwischenzeit getan. Ich möchte einmal fortsetzen bei der Verwirklichung meines Traumes, der Wanderung mit tierischer Begleitung.

 

Seit meinem letzten Eintrag, als ich beschrieb dass es sich wesentlich stimmiger anfühlte mit einem Esel auf Wanderschaft zu gehen als mit meinem Pferd Liberty, bin ich auf der Suche nach einem Großesel gewesen. Also einem Tier das ca. so groß ist wie ein Haflinger und das auch in der Lage ist mich Abschnittsweise zu tragen. Reiten ist mich nicht besonders wichtig, mir geht es um das Zusammensein mit dem Tier, dennoch hätte ich gerne die Option das es mich auch tragen kann. Seit mein Mann und ich vor vielen Jahren oft Hausbooturlaub in Frankreich machten bin ich in Poitou Eseln verliebt. Das ist diese zottige Rasse die ihr sicher schon mal auf Bildern gesehen habt. 

 

Ich begann im Netz zu suchen, weitgehend ohne Erfolg. In Österreich gibt es kaum Großeseln sodass ich diese Option bald abhackte. Dann schaute ich über die Grenzen hinaus, antwortete auf ein paar Inserate  aus Deutschland und Frankreich aber Nichts hat so richtig gepasst bzw. oft bekam ich gar keine Antwort. Dann entdeckte ich die Seite eines Züchterehepaares das sich auf Großeslen spezialisiert hatte. Es standen keine Verkaufstiere auf der Homepage, die sehr sympathisch wirkte, trotzdem schrieb ich das Ehepaar mal an. Das zunächst einmal keine Antwort kam, wunderte mich schon nicht mehr.

 

Als ich dann Ende Februar in Salzburg bei den Green Days war um dort mit Jugendlichen einen Workshop mit dem Thema „Nachhaltig essen und damit die Welt retten“  machte und dann noch einen Impulsvortrag hatte, beschloss ich noch einen Tag anzuhängen und in meinem Lieblingsgebiet bei den oberösterreichishen Seen einen Zwischenstopp zu machen. Nach einer entspannten Nacht und einem wunderschönen Lauf rund um die Langbarthseen bei Ebensee rief mich die Züchterin aus Deutschland an. Sie beschrieb mir das sie drei Eseln hätte, die zwar alle nicht ganz auf mein Wunschprofil passten, aber dennoch das eine wesentliche Kriterium erfüllten. Es waren Großesln. Sie bot mir an einfach mal zu kommen weil man sich einen Esel nicht übers Telefon aussucht. Da war ich ganz ihrer Meinung und beschloss kurzfristig weiter nach Deutschland, in das Gebiet der Loreley zu fahren. Immerhin waren es von Salzburg aus aus zwei Stunden weniger Fahrtzeit als vom Burgenland. Andi konnte noch einen Tag den Hof übernehmen ich rief als die Züchterin, Silva Morgenstern zurück und kündigte meinen Besuch für den nächsten Tag an. Dann machte ich mich auf dem Weg.

 

Mit zwei langen Schlafpausen auf Raststätten kam ich am nächsten Morgen im Loreleytal an. Wunderschöne Gegend auch wenn ich eine Radarstrafe kassierte weil in einem Ortsgebiet nur 40 erlaubt war und ich mit heißen 50 durchbretterte. Da sind sie streng, die Deutschen…

 

Die Eselei erfüllte alle meine Ansprüche bzw. hatte ich  so einen tollen Zuchbetrieb noch nie gesehen. Über 30 ha Wiesenfläche, eigene meist über 1 ha große Reviere für die Zuchthengste in Sicht zu den anderen. Ein Bächlein das ich durchs Tal schlängelte und eine Menge an supersüßen Poitous, Catalanen,  Weißen Eseln und Bulgarischen Großesel. 

Entschieden habe ich mich für Igor, einen Jährlingshengst.  Seine Mutter Yvette ist eine Poitou Eselstute, sein Vater ein Catalane. Igor bleibt jetzt noch ein Jahr in Deutschland und kommt mit seinen Gefährten auf die Hengstweide. In einem Jahr, wenn er alt genug ist um kastriert zu werden und auch schon wandern kann, werde ich ihn abholen. Der Plan ist, ihn nicht mit dem Hänger zu holen, sondern mit einem meiner kleinen Eseln, wahrscheinlich Martin, hinaufzufahren und dann zu dritt mit Igor nach Österreich zurückzuwandern.

 

Erstaunlich für mich selbst war das ich mich darauf eingelassen habe eine Jahr auf Igor zu warten. Das entspricht eigentlich so gar nicht meiner Natur. Wenn ich was will, dann möchte ich es immer sofort. Als ich aber so bei Igor stand und ihn mit den anderen in Frage kommenden Eseln verglich zog mich mein Herz aber ganz eindeutig zu ihm und dann schoss mir plötzlich durch den Kopf das ich nun ein Jahr lang Zeit habe um mich auf ihn zu freuen. Und Vorfreude ist ja bekanntlich eine der schönsten Freunde, oder?

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