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Eine Eselgeschichte über die Macht der Gedanken

Mitte Mai war ich in der Loreley, nördlich von Frankfurt, um Igor für drei Tage zu besuchen. Anfang April habe ich mich ja dazu entschlossen mir einen Großesel zu kaufen, also ein Esel von der Größe eines Pferdes. Als ich im April auf dem Gestüt war, eigentlich mit dem Gedanken mir einen ausgewachsenen, mindestens 3jährigen zu kaufen, hat sich Igor sanft in mein Herz gedrängt und obwohl er nicht meinen Wunschkriterien entsprach weil er erst ein Jährling ist. Mit der Züchterin Silvia, mit der ich total auf einer Wellenlänge bin, habe ich ausgemacht das Igor noch ein Jahr im schönen Tal bei ihnen bleibt, dann kastriert wird und erst im Mai 2020 zu mir auf den Hof kommt. Wieder so etwas, das überhaupt nicht meiner Art entspricht. Geduld gehört nicht zu meinen Stärken. In diesem Fall dacht ich einfach das ich mich jetzt ein Jahr lang auf Igor freuen kann.

 

Soweit zur Vorgeschichte....

 

Mitte Mai war ich also wieder dort, natürlich mit meinem Gogo Mobil. Ich hatte ein bisschen ein komisches Gefühl hatte ich als ich rauffuhr, die Vorfreude war nicht ganz ungetrübt … ich hab ja schon vier Eseln, so viel Geld ausgeben für einen Großen, 9 Stunden Autofahrt pro Strecke nur um ihn zu besuchen…

 

Als ich dann ankam, in dem wunderschönen Tal und mein Kleiner sein Kopferl auf meine Schulter legte um sich kraulen zu lassen waren alle Zweifel sofort weg. Es fühlte sich wieder so an, als würden wir uns schon lange kennen und als gehöre der süße Kerl zu mir. Ich war glücklich.

 

Ich hatte mir vorgenommen mit Igor schon ein bisschen zu üben. Zumindest Halfter tragen wollte ich ihm lernen. Dazu hatte ich jede Menge Leckerlies und ein Halfter mit.  Igor stand in einer Herde von ca. 30 anderen Eseln, Muttertiere mit den Jungen und halbwüchsigen Esel auf einer ca. 3 ha großen Weide, von einem Bach durchzogen, ein Paradies. Nach der Begrüßung und ausgiebigen Geschmuse wollte ich am nächsten Tag den ersten Halfter Versuch starten. 

 

Soweit der Plan. Igor schnupperte skeptisch am Halfter und drehte sich dann weg. Auch nach einigen weiteren Versuchen blieb er misstrauisch und ich konnte das Halfter nicht über seine Schnauze ziehen. Mit Leckerlies arbeiten war auch nicht möglich weil ich sofort von 30 Rieseneseln umringt war die auch ein Leckerchen wollten. Ich war ein wenig ratlos und beschloss Silvia, die Züchterin um Rat zu fragen.

 

Als sie am Nachmittag vorbeikam erzählte ich ihr mein Dilemma. Silvia sah mich schmunzelnd an und sagte in der typisch trockenen deutschen Art. „Aber das kann er doch längst“.

 

Mit diesem Wissen ging ich erneut in die Herde, den Halfter in der Hand zu Igor. Ich stellte mich neben ihm, zog ihm das Halfter über den Kopf was er ganz selbstverständlich zuließ.

Ich habe noch nie ein so anschauliches Beispiel erlebt das zeigt, was die eigene Einstellung bewirken kann. Zwei gleiche Situationen mit einem einzigen Unterschied, meine Einstellung. Beim ersten Mal war ich überzeugt davon das Igor noch nie einen Halfter gesehen hätte und genau so hat er sich auch benommen, beim zweiten Versuch wusste ich das er das Halftern schon kennt wieder hat er sich meiner Erwartung gemäß benommen. Krass oder?  

 

Am letzten Tag meines Besuches erwartete mich dann noch eine Überraschung. Silvia fragte mich ob ich Igor von der Tierärztin ansehen lassen möchte die komme um zwei der  anderen Eseln zu kastrieren. Igor sei schon recht frühreif, versuche schon die Stuten in der Herde zu beglücken und möglicherweise könnte er schon heuer kastriert werden.  Ich war natürlich einverstanden und als die Tierärztin kam stand ich bei Igor als sie feststellte. „Ja, das geht schon“.. und schwupdipupp waren die Eier weg. 

 

Ich war ein bisschen perplex weil nun alles so schnell geht. Es bedeutet nämlich das ich kein Jahr auf Igor warten muss sondern das er schon bald zu uns auf Hof-Sonnenweide kommen kann. Andi und ich haben beschlossen ihm noch den Sommer über bei seinen Kumpels zu lassen zum Austoben und Spielen und ihn Mitte August zu uns zu holen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Marion (Freitag, 31 Mai 2019 14:54)

    Der Oberclou wäre ja gewesen, wenn du nach der Halftersache erfahren hättest, dass es doch das erste Mal Halfter war - denn ich denke, selbst dann hätte es funktioniert ... Unsere Gedanken spiegeln sich gerade bei Tieren so extrem in unserem Körper, ob wir wollen oder nicht ... die Kunst liegt denke ihc darin, seine Gedanken so beeinflussen zu können, dass das Tier sich nicht von einer "aufgesetzten" Zuversicht zB täuschen lässt.
    Gratuliere auf alle Fälle zum Zuwachs, er sieht supersüß aus!!! (ich könnte mir ja auch eher einen Esel auf unserem Hof vorstellen als ein Pferd, aber derzeit bin ich mal noch froh, wenn es weder noch ist, genug anderes zu tun ...) LG Marion aus Puch (die mit der Weltreise ...)

  • #2

    Elisabeth (Freitag, 31 Mai 2019 15:30)

    Das wäre wirklich spannend gewesen! Freu mich schon sehr auf den "Kleinen" und er ist in Wirklichkeit noch viel süßer